| 15. April 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |
Um die Erfolge von Marcus Böhme aufzuzählen, bräuchte es eine eigene Geschichte. In 21 Jahren Profivolleyball, die ihn durch ganz Europa führten, war Böhme unter anderem bester Blocker der Weltmeisterschaften 2014 und holte mit Deutschland im selben Jahr die Bronzemedaille. Nach dieser Saison ist für den 2,12 Meter großen Riesen endgültig Schluss. Marcus Böhme hängt seine Volleyballschuhe an den Nagel.

Marcus Böhme verabschiedet sich nach der Saison vom Profivolleyball | Bild: Alexander Hoth
„Die Knochen tun eigentlich noch gar nicht so sehr weh, das war es nicht“, lacht Marcus Böhme, wenn er auf seine Entscheidung angesprochen wird, nach dieser Saison seine Karriere zu beenden. „Es hat schon ein Weilchen gedauert, mich mit diesem Gedanken anzufreunden“, gibt er zu. „Klar hätte ich auch noch ein Jahr spielen können. Genauso gut hätte schon vor zwei Jahren Schluss sein können. Ich denke, ich habe das richtige Mittelmaß gefunden. Ich habe nicht mehr immer gespielt, hatte aber noch meine Rolle im Team. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.“
Böhme sagt all dies ohne Wehmut, denn er blickt auf eine „nicht ganz alltägliche Karriere“ zurück, wie er selbst sagt. Zur Saison 2005/06 wechselte der junge Mittelblocker vom Nachwuchsteam VCO Berlin zum großen Bruder SCC. Mit ihm ging damals auch sein Juniorentrainer Michael Warm zum Hauptstadtclub, der heute als Berlin Recycling Volleys firmiert. 2009 wechselte Böhme nach Friedrichshafen und ging von dort aus 2012 in die weite Welt.
„In Italien, Polen und Russland ging es um Erfolge, und dort habe ich auch erst richtig verstanden, was es bedeutet, sein Leben nach dem Erfolg auszurichten“, erzählt er. Der 2,12 Meter große Modellathlet wusste aber schon immer die schönen Seiten des Lebens zu schätzen. „Dafür waren dann eher die Clubs in der Türkei und in Griechenland da. In Istanbul und Athen kannst du schon darauf kommen, dass es auch schöne Dinge abseits des Volleyballfeldes gibt.“
2020 kehrte Böhme nach Friedrichshafen zurück und wird hier nun auch seine Karriere beenden. Insgesamt neun seiner unglaublichen 21 Jahre im professionellen Volleyball verbrachte der Riese mit dem Gemüt eines Bernhardiners am Bodensee. „Es ist folgerichtig, dass ich hier meine Karriere beende“, sagt er. „Dass eines meiner letzten Spiele gegen Berlin sein wird, ist eine sehr schöne Klammer. Auch wenn ich mir natürlich wünsche, dass wir das Ding noch drehen und ich in ein allerletztes Finale einziehen kann.“
Für seinen Club wird dieser Abschied ein besonderer sein. „Marcus ist ein besonderer Charakter und ein besonderer Mensch, der uns sicherlich sehr fehlen wird“, weiß VfB-Geschäftsführer Thilo Späth-Westerholt, der selbst zwei Jahre mit dem Mittelblocker auf dem Feld stand. „Wir haben lange überlegt, wann wir Marcus offiziell verabschieden, um ihm dafür den richtigen Rahmen zu geben. Ich denke, dass ein Halbfinale vor ausverkauftem Haus gegen Berlin der richtige Rahmen ist. Es wird vielleicht ein klein wenig emotional, aber Volleyballdeutschland wird sich einig sein, dass dieser Spieler einen würdigen Abschied aus dem Profisport verdient hat.“
Böhme hat im vergangenen Sommer seine jetzige Frau Larissa geheiratet. Seit einigen Wochen renovieren die beiden ein Häuschen im Häfler Umland. „Dafür wird jetzt genügend Zeit sein, und dann bin ich sicherlich auch schon auf der Suche nach einer neuen Aufgabe“, verrät er. „Ich freue mich auf die Zeit, die ich jetzt haben werde. Ich habe nach meinem Abschied aus der Nationalmannschaft schon gemerkt, dass es schön sein kann, den Sommer frei zu haben. Ich bin mir sicher, dass ich jetzt auf den ein oder anderen dummen Gedanken kommen werde und mir nicht langweilig wird.“
Zeit für eine Zigarre und einen Whisky? „Nein“, lacht Böhme. Das habe er ja auch schon während seiner Karriere getan. „Alles in Maßen, daran wird sich nichts ändern.“ Ihm werde vor allem „der Nervenkitzel“ fehlen, wie er sagt. „Ich werde mit meiner Frau im Sommer den Mont Blanc umrunden, das ist unsere nachgeholte Hochzeitsreise“, erzählt er noch. 170 Kilometer sind das, zehn Kilometer rauf und runter. Nach Ruhestand klingt das wirklich nicht.