Noch nicht fertig: Warum Adam Swaczyna seinen Weg in Friedrichshafen fortsetzt

13. Juli 2026 Zurück zur Artikelübersicht »

Der VfB Friedrichshafen hat die Weichen für die Zukunft gestellt und den Vertrag von Cheftrainer Adam Swaczyna vorzeitig um weitere drei Jahre bis zum Sommer 2029 verlängert. Der Pole, der zuletzt zusätzlich die österreichische Nationalmannschaft übernommen hat, will vor allem mit einer Mischung aus Erfahrung und Talent Erfolge feiern – und Friedrichshafen dauerhaft im Titelrennen etablieren.

Adam Swaczyna gibt auch in den kommenden Jahren sportlich die Richtung vor | Bild: Alexander Hoth

Es gibt Trainer, die sprechen über Titel. Adam Swaczyna spricht zuerst über Verantwortung. Als der Cheftrainer des VfB Friedrichshafen seinen Vertrag vorzeitig um drei weitere Jahre verlängert, geht es ihm nicht um Sicherheit oder Planung. Es geht um etwas, das ihn seit zwei Jahren antreibt. „Auch wenn andere Teams angefragt haben, war ich mir immer sicher, dass meine Aufgabe in Friedrichshafen noch nicht erledigt ist. Ich fühle mich diesem Club, der Stadt und den Fans sehr verbunden. Ich möchte Titel gewinnen und dem Club etwas von dem Vertrauen zurückgeben, das ich von Anfang an gespürt habe.“

Wenn Swaczyna über diese noch nicht erledigte Aufgabe spricht, hat er vor allem ein Spiel vor Augen: das Pokalfinale 2026. „Wir haben vorher alle davon überzeugt, dass wir diesen Titel gewinnen können. Alle haben daran geglaubt – trotz der vielen Verletzungen in der Saison“, erklärt er. „Und dann kämpft diese Mannschaft aufopferungsvoll und verliert praktisch innerhalb von drei Minuten den fünften Satz. Das war schon bitter und hat mich lange beschäftigt. Ich hatte das Gefühl, dass ich die Leute enttäuscht hatte.“

Dabei weiß der Pole ganz genau, dass seine Mannschaft dem Favoriten unterlag – und dass sich die Voraussetzungen im deutschen Volleyball verändert haben. „Es ist nicht mehr so wie vor 20 Jahren, als Friedrichshafen alles überragt hat. Die Konkurrenz ist größer geworden, die Budgets der anderen Clubs ebenfalls.“ Es sei ein Prozess gewesen, „das zu realisieren“, wie er sagt. Und dieser Prozess habe auch eine Veränderung der Strategie erfordert.

„Wir können keine absoluten Topspieler verpflichten, aber wir können unser Bestes geben, sie zu solchen zu machen. Das macht mich sehr glücklich.“ Jackson Young, der als weitgehend unbekannter College-Spieler an den Bodensee kam und inzwischen in der polnischen PlusLiga etabliert ist, ist nur eines der Beispiele, die Swaczyna meint.

Für die kommende Saison konnte der Pole allerdings auch erfahrene Spieler nach Friedrichshafen lotsen. Landsmann und Libero Mateusz Czunkiewicz ist dafür nur ein Beispiel. „Das ist das erste Mal, dass uns das gelingt, seitdem ich hier bin“, erzählt Swaczyna stolz. „Die Spieler haben mitbekommen, was wir hier machen. Ich hoffe, dass wir mit dieser Mischung aus Erfahrung und Talent erfolgreich sein können. Man kann sagen, wir haben uns an die Realität angepasst – und das funktioniert sehr gut.“

Auch die Verantwortlichen des VfB haben diese Entwicklung gesehen und Swaczyna früh signalisiert, den gemeinsamen Weg fortsetzen zu wollen. „Adam hat hier viele kleine Dinge verändert, die uns weiterbringen, und mit dem Einzug ins Pokalfinale gezeigt, wohin die Reise gehen kann“, sagt Geschäftsführer Thilo Späth-Westerholt. „Wir vertrauen in Adams Arbeit und möchten diesen Weg langfristig gemeinsam gehen. Deshalb ist die vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2029 eine sehr gute Nachricht für uns.“

Dann wäre Swaczyna insgesamt fünf Jahre Cheftrainer des VfB.„Eigentlich wären es sogar sieben Jahre, wenn man die zwei Spielzeiten als Co-Trainer von Vital Heynen dazurechnet“, lacht er. Geht es um seine Ziele, wird der 37-Jährige jedoch sofort wieder ernst. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich keine Titel gewinnen will. Wichtig ist aber, dass wir ein Team formen, in dem alle dasselbe Ziel verfolgen. Wir wollen den Fans zeigen, dass wir für unsere Ziele auch leiden können. Das wird nicht jeden Tag funktionieren und auch nicht bei jedem Spieler. Aber wir wollen diesem Ziel so nahe wie möglich kommen.“ Swaczyna ist eben noch nicht fertig.